8. März 2016 0 Comments Stefanie Jacob

Gastbeitrag Helmsicherheit - Wichtige Kriterien beim Kauf

Wann ist ein Skihelm sicher? Die wichtigsten Kriterien, die beim Kauf zu beachten sind.
In jeder Wintersaison bewegen sich zahlreiche Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf den Pisten, Abfahrten und Loipen in den österreichischen Skigebieten. Dabei tragen jedoch noch lange nicht alle Pistenteilnehmer einen Skihelm, obwohl die jährlichen Zuwachsraten steigend sind. Dies ist mehr als erfreulich, denn immerhin besteht in ganz Europa wie auch den USA keine gesetzliche Helmpflicht oder nur Helmpflicht für Kinder und Jugendliche beim Wintersport, mit einer Ausnahme: das österreichische Bundesland Niederösterreich schreibt für seine Skigebiete die Helmpflicht für alle vor. Das mit dem Skihelm der Wintersport sicherer ist, ob nun auf Skiern oder dem Snowboard, ist längst keine Sache abstruser Theorien mehr, wie sie etwa bei der Gurtpflicht für Autofahrer aufkam, sondern fast schon eher eine Frage des Bedarfs, denn die Hersteller kommen mit der Fertigung kaum noch nach. Der Gesetzgeber sorgt hierbei trotz fehlender gesetzlicher Helmpflicht auf andere Weise dafür, dass Sicherheit auf den Skipisten großgeschrieben wird. Nämlich durch eine europaweit gültige Norm für Skihelme, die DIN EN 1077.

Die Prüfnormen zur EN 1077
Der Skihelm soll nicht nur Sicherheit vermitteln, sondern auch tatsächlich sicher sein. Dazu wurden entsprechende Prüfkriterien aufgestellt, denen in Europa alle in den Handel kommenden Ski- oder Snowboardhelme entsprechen müssen. Zu diesen Kriterien zählen unter anderem folgende Punkte:
 

Messung der Stoßdämpfung
Hierbei werden die Helme mittels Fallprüfungen aus 3 m Höhe von vorne, hinten und seitlich getestet.

Durchdringungsprüfung
Am Helm befindliche Belüftungsöffnungen müssen so gestaltet sein, dass spitze Gegenstände wie etwa Skistöcke nicht durchdringen können.

Befestigungsvorrichtung
Der Kinnriemen muss einstellbar und mindestens 15 mm breit sein. Das Riemenschloss muss so zu verstellen sein, das es nicht auf dem Unterkieferknochen aufliegt. Am Kinnriemen darf sich keine Kinnschale befinden, denn diese führte in der Vergangenheit bei Stürzen zu zusätzlichen Verletzungen.

Zugfestigkeit
Jedes Helm-Modell wird bei geschlossenem Kinnriemen auf seine Zugfestigkeit geprüft, wodurch der feste Sitz auf dem Kopf getestet wird.

In den Prüfnormen wurde zudem festgelegt, dass Skihelme in zwei verschiedene Klassen eingeteilt werden. Helme der Klasse A besitzen eine die Schläfen und Ohren bedeckende Helmschale und sind überwiegend für den Skirennsport konzipiert, wohingegen Helme der Klasse B mit offenem Schläfen- und Ohrenbereich entsprechend leichter sind, ein besseres Hören und eine größere Beweglichkeit ermöglichen. Skihelme der Klasse B, die im Ohrenbereich von den Herstellern meist mit Polstern ausgestattet werden, dienen überwiegend dem Freizeitsport.

Neben der vorgeschriebenen CE-Kennzeichnung müssen den Helmen zusätzlich Informationsbroschüren zur Sicherheit beiliegen.

Die Materialien von Skihelmen
Skihelme des mittleren und unteren Preissegments werden überwiegend in der sogenannten Injection-Shell-Bauweise (Spritzguss) aus den Kunststoffen Polyurethan oder ABS gefertigt. Für zusätzliche Stabilität sorgt hierbei das Inmold-Verfahren, bei dem die Innenschale mit der Außenschale vollflächig verklebt wird.

Carbon und Glasfaser sind die Materialien, die bei High-End-Skihelmen verwendet werden. Dabei handelt es sich meist um Vollschalenhelme der Klasse A zur Verwendung im Ski-Rennsport. Immerhin können bei Abfahrten auf längeren Strecken 100 km/h und mehr erreicht werden, was Stürze lebensgefährlich macht.

Der Tragekomfort und die Passform eines Skihelms
Ein Skihelm sollte gut sitzen und auch längere Zeit angenehm zu tragen sein. Dabei spielt das Gewicht genauso eine Rolle wie das Innenpolster und der Kinnriemen. Hier hilft nur ausprobieren. Beim Innenpolster des Skihelms sollte aus hygienischen Gründen darauf geachtet werden, dass er zur Reinigung herausnehmbar ist. Zum Tragekomfort gehört gleichermaßen die passende Skibrille, die in der Befestigung auf den Skihelm abzustimmen ist und so gestaltet sein sollte, dass das gefährliche Beschlagen durch Belüftungs-Technologien wie zum Beispiel eingebaute Mini-Ventilatoren vermieden wird.

Neben dem Komfort ist die richtige Passform des Skihelms gerade in Bezug auf die Sicherheit ein sehr wichtiger Punkt. Eine einfache Möglichkeit, die Passform und die richtige Größe zu testen, ergibt sich beim Aufsetzen des Helms mit offenem Kinnriemen. Der Skihelm darf auch bei heftigem Kopfschütteln nicht wackeln oder gar herunterfallen. Er muss von selbst so fest auf dem Kopf sitzen, dass kein Spielraum zwischen Kopf und Innenpolster besteht, jedoch ohne dass der Druck durch den Helm zu stark wird.

Alt gegen neu oder beschädigt gegen ganz
Im Grunde ist es auf einen einfachen Nenner zu bringen: der eigene Kopf sollte immer mehr wert sein als ein Skihelm. Darum sollten Skihelme grundsätzlich alle 5 Jahre ausgetauscht werden. Bei Helmen aus Kunststoff empfiehlt es sich sogar, alle drei Jahre ein neues Modell anzuschaffen. Sichtbare Risse durch niedrige Temperaturen, UV-Strahlung oder einen Sturz, tiefe Kratzer oder Beulen stellen ein Kriterium für die sofortige Neuanschaffung dar, denn ein Skihelm lässt sich im Gegensatz zum eigenen Kopf ohne Probleme ersetzen.





Autor

Stefanie Jacob

Stefanie Jacob ist für das österreichische Unternehmen Loitz KG tätig und zuständig für die Online Redaktion des dazugehörigen Online Shops www.helmexpress.com. Da sie auch privat gern Wintersport betreibt, steht für sie die Sicherheit auf der Piste an oberster Stelle.