22. Dezember

Fremdenzimmer

Ab wann und wo NÄCHTIGTEN einst die Besucher des Hochplateaus? Studiert man die Chroniken der drei Hochplateaudörfer und macht sich auf die Suche nach den Ursprüngen des Wintertourismus wird schnell klar, wer hier lange Zeit die Nase vorne hatte.

Im Sommerfrischeort Ladis/Obladis weilten einst nur Sommergäste, jedoch schon bald nach 1900 wurde das schöne Plätzchen auch im Winter zu einem magischen Anziehungspunkt für Gäste aus nah und fern. Die ersten Skikurse gab es bereits 1913. Zeitgleich öffnete das äußerst noble KURHOTEL OBLADIS seine Pforten erstmals auch im Winter.

Aber auch unten im Dorf hielt der Fremdenverkehr Einzug. Die Besitzer des Kurhotels kauften 1925 das HOTEL BAD LADIS und statteten es mit allerlei Annehmlichkeiten der damaligen Zeit aus. Das Kurhaus verfügte bereits über 53 Betten und über mehrere BEHEIZBARE Zimmer. In einem Hotelprospekt wurde für Vollpension samt Zimmer und ELEKTRISCHEM LICHT geworben. Ein SCHWEFELBAD kostete 1,50 Schilling. 1930 erhielt das Kurhaus sein heutiges Aussehen.

Die Wichtigkeit des Kurhauses ist auch in einem Gemeindeprotokoll der Gemeinde Ladis von 1907 nachzulesen. Durch den Bau des Elektrizitätswerks in Ladis ging den Bewohnern und Gästen ein Licht auf. Das Dorf wurde überall mit Straßenlaternen mit 40 Watt ausgestattet. Die Straßenleuchte beim Bad Obladis leuchtete aber um einiges heller: eine 100-WATT-GLÜHBIRNE wurde hineingedreht. Aus alten Urlaubsprospekten geht zudem hervor, dass es etwa in Ladis bereits in den Zwanziger- und Dreißigerjahren PRIVATZIMMERVERMIETUNGEN gab. Der Fremdenverkehr stellte neben der Landwirtschaft eine gute NEBENEINKUNFT der Menschen am Hochplateau dar.

In den 20er Jahren erfuhr dann auch das zarte Serfauser Tourismuspflänzchen einen Wachstumsschub. Um 1923 führte die Gemeinde die sogenannte FREMDENSTEUER ein. Pro Nächtigung wurden 2000 Kronen eingehoben. 1929 wurde das KÖLNER HAUS eröffnet und verfügte bereits über elektrisches Licht und Zentralheizung. Bis zu 80 Personen fanden dort eine gut gelegene Unterkunft inmitten der verschneiten Berge oberhalb von Serfaus. Zeitgleich boten etwa auch die Gasthäuser „Zum FURGLER“ und „Zum ADLER“ Zimmer zu einem Pensionspreis von 8 Schilling an. Als dritte Unterkunft ist das „LÖWEN“ zu nennen, deren Bedeutung in der Familienausrichtung der Region nicht hoch genug geschätzt werden kann. 

Auch in Fiss stellte der Fremdenverkehr eine lukrative Zusatzeinkunft für die Bauernfamilien dar. Als älteste Unterkunft und Wirtshaus ist das Gasthaus zum LAMM zu nennen. Im Winter 1913/14 fanden dort bis zu 6 Personen eine Unterkunftsmöglichkeit. Der Wirt besaß zudem das erste AUTO im Dorf.

Den ersten mutigen GASTGEBER-FAMILIEN folgten mit den Jahren immer weitere Serfauser, Fisser und Lader. Besonders durch den Bau der ersten Aufstiegshilfen entwickelten sich die Hochplateaudörfer zu immer beliebteren Wintersportorten. In welchem Dorf und bei welchem Gastgeber fühlst du dich am wohlsten?