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People of SFL: Markus Altmann macht aus Bleistiftstrichen Kunstwerke

  • People of SFL
  • Sommer
veröffentlicht am geändert am
Lesedauer 2 Minuten
Tagsüber kocht er für unsere Gäste im Familienrestaurant Sonnenburg, in seiner Freizeit zeichnet er beeindruckende Kunstwerke mit Graphitstiften. Wir haben den einheimischen Künstler Markus Altmann getroffen und mit ihm über seine Leidenschaft fürs das Zeichnen, nötige Geduld, das Gespür für den richtigen Zeitpunkt und die Freude an der Kunst gesprochen.

Auf dem Bild beugt sich eine ältere Frau über einen Wasserhahn, ihre weißen Haare leuchten in der Sonne. Hinter ihr zeichnen sich Schatten ab, aus dem Wasserhahn fließt Wasser in einen Metallkübel. Alle Details sind so genau zu erkennen, dass das Bild fast wie ein Schwarz-Weiß-Foto wirkt. Dabei ist es eine Bleistiftzeichnung – gemalt von Markus Altmann. Der 60-Jährige ist Künstler und hat im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunst am Berg“ in Serfaus-Fiss-Ladis schon mehrmals seine Werke ausgestellt. Hauptberuflich schwingt er aber nicht den Bleistift, sondern den Kochlöffel als Küchenchef im Familienrestaurant Sonnenburg.

„Mein Interesse am Zeichnen, das hat schon in der Grundschule angefangen. Schon damals habe ich viel für Freunde gezeichnet und in der Hauptschule sagte mir ein Lehrer dann, ich hätte ein Riesentalent.“ Sein Hobby zum Beruf zu machen, war damals – in den 1970er-Jahren – allerdings gar nicht so einfach. „Ich wollte erst technischer Zeichner werden, konnte aber meine Eltern nicht richtig davon überzeugen. Also habe ich mich zum Konditor ausbilden lassen, das ist schließlich auch ein kreativer Beruf“, erzählt Markus Altmann.

Der Landecker hat nach Stationen im Betrieb seines Vaters, eigener Selbstständigkeit und einem kurzen Ausflug in den Verkauf schließlich zu den Bergbahnen Fiss-Ladis gewechselt. Seit 15 Jahren ist er dort in der Küche tätig. Und es war auch sein Kollege und Gastronomieleiter Martin Kaplja, der ihn schließlich dazu animierte, seine Werke bei „Kunst am Berg“ auszustellen.

Diese Veranstaltung findet jährlich im September und Oktober am Schönjoch in Fiss und dem Panoramarestaurant BergDiamant statt. Sie gibt Malern und Bildhauern die Möglichkeit, in der alpinen Umgebung ihre Werke zu gestalten. Gleichzeitig sind auch Freizeitkünstler eingeladen, ihre Arbeiten auszustellen. Für Markus ist „Kunst am Berg“ längst zu einem Fixpunkt geworden: „Kunst am Berg ist für mich und für viele andere Künstler so eine wichtige Institution. Hier können wir uns austauschen und haben natürlich auch die Chance, das ein oder andere Werk zu verkaufen. Diese gegenseitige Anerkennung ist schön“, sagt Markus.

Alles selbst gelernt

Bis er allerdings seine ersten Werke ausstellen konnte, dauerte es. „Ich male nur mit Graphitstiften, ähnlich wie Bleistifte. Das zu erlernen, das dauert.“ Markus hat sich alles selbst beigebracht: „Darauf bin ich auch sehr stolz. Ich habe mir Bücher gekauft, mich immer wieder damit beschäftigt. Es sind Riesenschritte bis zum fertigen Bild.“

Hinter jedem seiner Werke steckt deshalb nicht nur jahrzehntelange Erfahrung, sondern auch viel Geduld und Zeit. „Es ist schwer zu sagen, wie viel Aufwand hinter einem großen Bild – etwa dem von der Eiger Nordwand – steckt. Da müsste ich eine Uhr mitlaufen lassen“, schmunzelt er. An manchen Tagen sitzt er drei bis vier Stunden in seinem Malzimmer, manchmal nur eine halbe Stunde. Insgesamt dauert es aber rund drei bis sechs Wochen, bis eine Zeichnung fertiggestellt ist.

„Ich brauche zum Malen viel Ruhe. Ich muss mich gut fühlen, sonst klappt nichts“, weiß er. „Alles ist Kopfsache, man muss voll fokussiert sein.“ Das beginne schon bei der Auswahl der Materialien: „Ich arbeite mit speziell aufgerautem Papier und muss immer wieder entscheiden, welchen Stift – weich, stumpf, spitz – ich nutze.“

Ein falscher Strich bleibt

Was ist das Schwierigste an der Umsetzung? „Es gibt keine Korrekturen. Man kann bei meinen Zeichnungen nicht einfach radieren, wenn man einen falschen Strich gesetzt hat. Korrekturen sind nur in der ersten Phase, beim Skizzieren, möglich; dann nicht mehr.“

Er zeigt uns ein Bergbild und deutet auf den Himmel mit den Wolken: „Das zeichne ich mit Graphitstaub. Ich trage ihn mit einem Wattebausch auf, ausbessern ist nicht möglich. Man darf nicht einmal mit den Fingern darauf tippen, um keine Abdrücke zu hinterlassen.“

Inspiration findet der Künstler überall: „Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt, mag es, wenn Licht und Schatten Kontraste schaffen. Wenn ich ein neues Motiv entdecke, packt mich die Vorfreude.“ Zeichenbar sei alles, sagt er. Sein bisher größtes Werk ist übrigens während der Corona-Pandemie entstanden und misst über zwei Meter. „Das Zeichnen hat mir diese Zeit sehr viel leichter gemacht. Und ich hätte sonst auch nie so viel Zeit gehabt.“ Als er damals das leere Blatt für sein Riesenwerk zum ersten Mal sah und die ersten Striche setzte, war das eine Herausforderung. „Aber ich will meine künstlerischen Grenzen austesten. Hauptsache, es macht Freude!“

Auch beim Bild der alten Frau mit den hellen Haaren hat ihn genau diese Schwierigkeit gereizt: „Wie schaffe ich es, dass die weißen Haare im Sonnenlicht leuchten?“ Er testet und probiert, schafft Konturen – und hat das Bild inzwischen nach Holland verkauft.

Zeichnen als Ausgleich

Aktuell schafft Markus etwa drei bis vier Bilder pro Jahr. Für mehr Werke fehlt schlicht die Zeit. „Und man hat ja noch mehr Interessen“, lacht er. Zeichnen ist für ihn vor allem eines: Entspannung. „Der Fokus ist weg von Arbeit und Alltag.“

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