People of SFL: Paul Greiter vom Familien- und Naturhotel Darrehof
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Paul strahlt, wenn er über Nachhaltigkeit spricht. Kein Wunder – er ist damit groß geworden. Schon seine Großeltern haben 1929 Gäste beherbergt und damals mit dem Ochsenfuhrwerk vom Bahnhof abgeholt. Auf dem Bauernhof der Familie lernte er zudem schon als Kind, im Kreislauf der Jahreszeiten zu denken. Fleisch gab es nur sonntags, dafür stand Gemüse täglich auf dem Tisch. „In vielem können wir uns von dieser Einfachheit heute wieder etwas abschauen“, sagt Paul.
Heute führt Paul gemeinsam mit seiner Familie das Familien- und Naturhotel Darrehof in Serfaus – ein Ort, an dem Tradition und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen. Hier gilt: 100 % Bio. Ohne Kompromisse. Zum Hotel gehören eine ökologische Landwirtschaft und ein eigener Reitbauernhof mit Original Tiroler Haflingern, Eseln, Schafen, Katzen und Hasen.
Die ganze Familie Greiter lebt ihre bäuerlichen Wurzeln mit spürbarer Leidenschaft – und das sieht man auch: Im Alltag tragen sie mit Stolz ihre traditionellen Trachten, die Teil ihrer Identität geworden sind. Vor dem Hotel erinnern zwei aus Holz geschnitzte Ochsen, die einen Wagen ziehen, an die Anfänge der Familiengeschichte – und daran, dass hier seit Generationen Werte weitergegeben werden, die Bestand haben.
„Ein schonender Umgang mit Ressourcen gehört für mich zur DNA“, erzählt Paul. Seit Jahrzehnten bewirtschaftet seine Familie den Bauernhof in biologischer Wirtschaftsweise. Lange haben sie überlegt, ob sie den Weg, auch das Hotel biologisch zu betreiben, wirklich konsequent gehen sollen. Mit der Übergabe an die nächste Generation war die Entscheidung jedoch klar: Alles Bio. Zu 100 %.
„Das war anfangs aufwendig – neue Lieferanten, neue Abläufe. Aber heute ist es das Normalste der Welt für uns. Und unsere Gäste spüren, dass wir es ernst meinen.“
Zimmer mit Vollholzmöbel und Naturkosmetik in Bad, bestes Quellwasser, das direkt in einen Trinkbrunnen im Hotel fließt: An allen Ecken wird sichtbar, dass Nachhaltigkeit hier gelebter Alltag ist. Beim Thema Energie sparen setzt die Familie auf innovative Technik: intelligente Heizungsventile, Verbrauchsmessungen für Wasser und Strom, Photovoltaik und Pelletheizung. „Da steckt viel Potenzial drin“, so Paul. „Und es ist eine Win-win-Situation: gut fürs Klima und gut für den Betrieb.“
Ob er manchmal Zweifel hat? „Nein, ganz im Gegenteil“, sagt Paul lachend. „Herausforderungen wie Wasser- und Energieverbrauch motivieren uns vielmehr.“ Beim Frühstück wird sofort klar, wie ernst es der Familie ist: Bio-Kaffee, Bio-Brot, Bio-Marmeladen – alles aus kontrollierter Bio-Produktion. „Bio ist hier keine Floskel, sondern Lebenseinstellung.“ Und das spürt man hier in jedem Raum. Das Haus zählt zu den ersten biozertifizierten Hotels in der Region Serfaus-Fiss-Ladis, wurde mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet und ist Mitglied der BIO HOTELS.
Viele Urlauber sind überrascht, wenn sie erfahren, dass der Darrehof komplett biozertifiziert ist. „Seit wir offiziell ein Bio Hotel sind, kommen immer mehr Gäste bewusst deshalb zu uns. Das Feedback ist durchwegs positiv.“
Und Paul denkt schon weiter: Apfelsaft vom eigenen Hof gibt es bereits. Bald könnten Schnaps oder Marmeladen von den Streuobstwiesen folgen. „Es wäre doch schön, wenn die Gäste unsere Produkte auch mit nach Hause nehmen können.“
Im Winter lädt Paul die Gäste auch wöchentlich auf den Bauernhof ein. „Viele wollen wissen, wie Landwirtschaft funktioniert. Das erkläre ich gern.“ Im Sommer bietet seine Frau Waldbaden für die Gäste an. Ein besonderes und achtsames Erlebnis, das eng mit der Natur verbindet und uns wieder spüren lässt.
Natürlich weiß Paul um die Grenzen des nachhaltigen Tourismus: „Die Anreise mit dem Auto ist für viele Familien noch das Einfachste – aber für die CO₂-Bilanz eine echte Herausforderung.“ Doch er sieht Bewegung: Immer mehr Gäste reisen bewusst mit der Bahn an, nutzen Kofferversand und Skiverleih vor Ort. Das macht es leichter, auch mal das Auto stehen zu lassen. Anreisende mit der Bahn werden im Darrehof zudem mit einem Rabatt belohnt.
„Neben den Gästen ist es uns aber vor allem wichtig, dass auch die Mitarbeitenden die Idee mittragen“, erzählt Paul. Beim Saisonstart gibt es für die neuen Mitarbeiter:innen deshalb ein Nachhaltigkeits-Onboarding, dazu regelmäßige gemeinsame Aktivitäten mit dem ganzen Team. „Nur wenn alle von der Vision überzeugt sind, können wir wirklich etwas bewegen.“ Und fertig ist hier noch lange keiner. Barrierefreiheit soll ausgebaut, ältere Gebäudeteile saniert werden – es gibt immer etwas zu tun.
„Nachhaltigkeit ist ein Prozess. Man ist nie fertig. Und genau das ist das Spannende.“ sagt Paul, schwingt sich lachend auf sein Fahrrad und macht sich auf den Weg zum Bauernhof.