Pistenretter Jonas Wieser aus Fiss auf dem Skidoo in der Familienregion Serfaus-Fiss-Ladis in Tirol | © Fisser Bergbahnen GmbH | Fabian Schirgi
Blogautorin Andrea Serfaus-Fiss-Ladis | © christianwaldegger.com
Andrea

Backstage bei den Pistenrettern

17.03.2022 · Dabei sein, Winter
Im März erhebt sich die Sonne bereits frühmorgens auf der anderen Talseite. Der Outdoor-Arbeitsplatz der Pistenretter in Serfaus-Fiss-Ladis ist pünktlich zu Dienstbeginn bestens ausgeleuchtet. Perfekte Bedingungen für die morgendlichen Kontrollfahrten vor Skibetrieb. Das Revier der Jungs: 460 ha Skifläche und insgesamt 101 Pisten und Routen. Wie sieht ihr Alltag aus?

Lesezeit: 5 Minuten

Tagwache

Um 8.00 Uhr treffe ich mich an der Talstation der Schönjochbahn mit zwei Pistenrettern: JONAS aus Fiss und LUKAS aus Ladis. Mit den Einheimischen hat die Region den Jackpot geknackt. Ihre ORTSKUNDIGKEIT ist Gold wert. Ihre zuvorkommende Art imponiert. „Unser Team in Fiss-Ladis besteht aus fünf Leuten. Serfaus hat einen Mann mehr als wir. Insgesamt sind somit elf Pistenretter im gesamten Skigebiet unterwegs. Vier haben immer gleichzeitig bei uns Dienst. Patrick und Andi sind auf der NORDSEITE eingeteilt und Lukas und Mattia auf der SÜDSEITE. Ein Fünfter ist immer Springer. Das bin ich in diesem Winter“, erzählt Jonas, der eigentlich gelernter ZIMMERMANN ist.

Köche, Zimmermänner und Pistenretter

„Schon in meinem alten Beruf bin ich immer viel draußen gewesen. Ich brauche einfach die FRISCHE LUFT beim Arbeiten. Und wenn in der Früh dann die Sonne herauskommt, ist das schon beeindruckend. Oder die Nebelschichten auf dem Fisser Joch! Du bist oben, alles unter dir noch voller Nebel. Ich schätze meinen Freiluft-Arbeitsplatz sehr und liebe die Arbeit mit Menschen. Nächstes Jahr bin ich wieder fix dabei. Das habe ich schon mit meinem Chef Thomas Kirschner ausgemacht. Er ist fürs PISTENMANAGEMENT zuständig, also auch für die Kollegen der Pistenpräparierung“, berichtet Jonas euphorisch. Jonas ist erst 18, wirkt auf mich aber äußerst VERANTWORTUNGSBEWUSST. Er scheint seinen Traumjob gefunden zu haben.

Schnell wird klar: Die Pistenretter sind nicht nur für die Erstversorgung der Verletzten zuständig, sondern auch für die allgemeine PISTENSICHERHEIT. Gleich zu Beginn geht es nämlich ab auf die Piste und nicht rein in die warme Stube. „Jeden Morgen machen wir unsere Kontrollfahrten und fahren alle Pisten auf der Südseite ab. Die Kontrollfahrten auf der Nordseite übernehmen die Liftmitarbeiter“, erzählt der 21-jährige Lukas. „Manchmal fahren wir auch gemeinsam hoch und einer schnallt sich die Skier an. Dieser kontrolliert dann beispielsweise die Gfallabfahrt und die Gondeabfahrt von oben nach unten. ERSTE SPUR also. Was Besseres gibt es kaum“, lächelt Lukas.

Im Hintergrund höre ich den Funk: Puinzbahn Stütze 6 in Ordnung!

„Unseren Kanal verwenden nicht nur wir, sondern alle bei den Bergbahnen. Täglich wird jede LIFTSTÜTZE kontrolliert. Es wird also für Sicherheit auf und neben den Pisten gesorgt", so Lukas. Er verrät mir, dass er gelernter KOCH ist und über den ZIVILDIENST bei der Rettung seine Leidenschaft für den medizinischen Bereich entdeckt hat. „Die Arbeit bei der Rettung hat mir sofort getaugt. Ich habe mich zum RETTUNGSSANITÄTER ausbilden lassen.

Im Anschluss habe ich dann zwei Jahre bei der Fissmed gearbeitet und den ORDINATIONSASSISTENTEN gemacht. Bevor ich mich dann im Herbst zum KRANKENPFLEGER ausbilden lasse, wollte ich unbedingt davor noch bei der Pistenrettung arbeiten. Ich würde wahrscheinlich auch als Krankenpfleger dann wieder zur Pistenrettung gehen. Als Pistenretter bin ich immer draußen. Das Panorama ist gewaltig und es ist einfach so viel Wert, wenn man die ERLEICHTERTEN GESICHTER der Patienten sieht. Sie sind immer äußerst DANKBAR. Das motiviert mich.“

Kontrollfahrten

Die Skidoos SCHNURREN, der Zeitplan drängt. Die Pisten sollten vor den ersten Skifahrern kontrolliert sein. Ich nehme hinter Jonas Platz und schon geht es zügig bergwärts. Alles, was auf der Piste steht, wird von ihnen überprüft. Dabei ist ORANGE die Farbe der Stunde. Denn vieles, das auf den Pisten für Sicherheit sorgt, leuchtet in der grellen Farbe: Stangen, Pistenschilder und auch Matten um Lanzen, Schneeerzeuger, Stützen und Heustadel. „Es kann immer etwas passieren. Wir sorgen dafür, dass alle Gefahren möglichst minimiert werden. Bei den Kontrollfahrten richten wir die STANGEN am Pistenrand gerade. Bei Schlechtwetter sorgen sie für einen gut gekennzeichneten Pistenrand. Beschädigte Stangen werden ausgetauscht. Bei der Frommesabfahrt sind es insgesamt 650. Mit über 7 km ist sie die längste Abfahrt im Skigebiet. Bei den MATTEN schauen wir, dass die Öffnung immer auf der gegenüberliegenden Seite eines möglichen Aufpralls liegt“, erklärt mir Jonas.

Einsätze

Die ersten Skifahrer sind schon auf den Pisten. Verständigt wird die Pistenrettung per Funk. Die meisten Verletzungen sind im Bereich Knie und Schulter. Auch Schnittverletzungen kommen beim Alpinsport sehr häufig vor. Mit dem Skidoo geht es dann zum Unfallort. Die SIGNALHUPE schalten sie nur bergauf ein, bergab wären die anderen Skifahrer viel zu irritiert.

„Wenn auf den Skirouten oder auf der schwarzen Direttissima was passiert, dann schnallen wir die Skier an. Ansonsten reicht der Skidoo. Wie auf der Straße muss auch auf der Piste die Gefahrenstelle ABGESICHERT werden. Ein Folgeunfall wäre fatal. Dazukommende Passanten können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Ski können etwa zum Absperren verwendet werden. Ich stelle meinen Skidoo quer und versorge den Patienten. Wichtig ist hier immer, RUHIG zu bleiben. Diese Charaktereigenschaft ist Grundvoraussetzung für einen Pistenretter“, erzählt Jonas. Der Puls ist immer im Normalbereich, ob bei den Kontrollfahrten auf der Piste oder bei einer Alarmierung. Aus der Ruhe bringt die Pistenretter also kaum was. Ich bin beeindruckt.

„Wenn der Patient schwer verletzt ist und eine sofortige SCHMERZMEDIKATION benötigt, dann holen wir den HUBSCHRAUBER. Verabreichen dürfen wir aber nichts. Wir sorgen für eine gute äußerliche ERSTVERSORGUNG. Der zweite Pistenretter kommt dann ebenfalls zur Unfallstelle und weist den Piloten ein. Das Einweisen lernen wir bei der PISTENRETTERAUSBILDUNG. Zusätzlich haben wir alle mindestens den Rettungssanitäter und bilden uns laufend weiter. Bei einem Einsatz sind wir nämlich auf uns gestellt und müssen Entscheidungen treffen. Kurz vor der Landung kann es bei Neuschnee zu einem sogenannten WHITEOUT kommen.

Die Rotorblätter wirbeln reichlich Schnee auf und der Pilot verliert unter Umständen innerhalb weniger Sekunden seine ORIENTIERUNG. Da muss er sich zu 100% auf den Pistenretter verlassen. Zu Beginn war mir schon etwas MULMIG, als der Pilot nur 5 cm vor mir landete“, so Jonas. „Bei der Kommunikation orientieren wir uns an den Uhrzeiten: Vor dem Piloten ist 12 Uhr, links 9 Uhr, rechts 3 Uhr und hinter ihm 6 Uhr. Wenn ich ‚C5 auf 2 Uhr‘ funke, dann weiß er, dass ich rechts vor ihm stehe. Die Anweisungen müssen passen“, fügt Lukas hinzu.

Pass auf dich auf

Unfälle können schnell mal passieren. Die zwei jungen Pistenretter wissen aber, dass der ein oder andere VERMIEDEN werden könnte. „Es gibt immer noch Skifahrer, die keinen HELM tragen. Für uns unvorstellbar. Du darfst nicht vergessen, im Skigebiet sind immer hohe Geschwindigkeiten und ein harter Untergrund im Spiel. Einen Helm solltest du daher immer tragen“, betont Lukas. Bei viel Neuschnee locken natürlich die Skirouten, dennoch gibt es hier einiges zu beachten, wie mir der Lader erklärt: „Wir sind auch für die Skirouten wie OLD SATTEL und Co zuständig. Den Powder können und wollen wir niemandem verbieten. Bei hoher Lawinenwarnstufe oder gar Sperren hört sich der Spaß aber auf. Diese müssen unbedingt beachtet werden! Bei schlechter Sicht oder am Nachmittag, wenn die Beine schon etwas müde sind, solltest du dich nicht zu sehr fordern. Gönn dir bewusst mal eine PAUSE.“

Unfall melden

Und wenn doch mal was passiert, dann soll nach dem Absichern der Unfallstelle ein telefonischer Notruf gesetzt werden. Auf allen PISTENSCHILDERN und PISTENPLÄNEN befinden sich die Kontaktnummern der Pistenrettung. Zudem sind alle Liftstellen auch Meldestellen. „Zu 90% wissen die Gäste, wo sie sich im Skigebiet befinden. Die Lokalisierung klappt immer recht schnell. Ganz praktisch für uns und den Gast ist die SFL-App. Dort ist ein NOTFALLBUTTON integriert mit allen wichtigen Nummern. Zudem empfehlen wir die NOTFALL-APP des Landes Tirol. Mit ihr ist mittels GPS eine exakte Standortmitteilung an die Leitstelle möglich.“ Nun bekommen sie den ersten Einsatz rein und ich verabschiede mich von ihnen.

Pistenrettung Fiss-Ladis: +43/5476/6396
Pistenrettung Serfaus: +43/5476/6203-319

Mein Fazit

Hättest du gewusst, dass ein Pistenretter auch für die Pistenmarkierungen und die Pistensicherheit zuständig ist? Der Arbeitsbereich der Jungs ist aussichts- und abwechslungsreich. Sie wissen nie, was als Nächstes passiert und müssen immer einen KLAREN KOPF bewahren. Jonas und Lukas sind zwei von 11 Pistenrettern in Serfaus-Fiss-Ladis, die tagtäglich für Sicherheit im Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis sorgen. Ich ziehe den Hut vor ihnen: CHAPEAU! Einfühlsam, ruhig und konzentriert meistern sie ihren Alltag als Pistenretter und stehen Verunglückten KOMPETENT in Notlagen zur Seite. Als hätten sie nie etwas anders gemacht. Oder doch?

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