Fisser Blochziehen Komitee

Fisser Blochziehen 2018 - Die Leitfigur: Der Bär

08.12.2017 · Dabei sein, Winter
Das Fisser Blochziehen zählt wohl zu den originellsten Fasnachtsbräuchen im Alpenraum und ist eine der urigen Tiroler Fasnachten. Es bietet ein begeisterndes Schauspiel nach überlieferten Ritualen, dessen Freiluftbühne der Dorfkern von Fiss ist. Am 28. Jänner 2018 heißt es wieder „iatz geats los“.

Der Fuhrmann schreit „ZIACHA!“ In den Fingern kribbelt es, während ich mir den linken Ärmel des Felles überstreife. „ZIACHA!“ Hab ich wohl an alles gedacht? Gurt sitzt? Schuhe gut gebunden? „Mir braucha da Bär!“ Beim Aufsetzen der Maske spüre ich den Puls direkt unter meinem linken Ohr. Die Bärentreiber haben mich gefunden. Los geht’s…


Das Bärenkostüm – ein Blick in die Vergangenheit

Im November 2016 entschieden wir uns, ein neues Bärenkostüm fertigen zu lassen, da dieses nach über 50 Jahren sehr mitgenommen war. Eine große und gleichzeitig auch heikle Aufgabe. Nach den ersten Skizzen wurde der Pfundser Schnitzer Reinhard Thöni damit beauftragt, den Bärenkopf zu schnitzen. Weitere Tiroler Firmen bekamen die Aufgabe, ein haltbares Bärenfell auszusuchen und der fertige Bärenkopf musste natürlich auch noch mit dem Fell überzogen und bemalt werden. Die Zusammenarbeit klappte bestens und so durfte der Bär im März 2017 in seine „neue Heimat“ nach Fiss übersiedeln. Ein großes Dankeschön an alle beteiligten Künstler und Firmen.


„Va nix kimmt nix“ (Von nichts kommt nichts)

Am 28. Jänner 2018 ist es endlich wieder soweit und das Blochziehen wird starten (das letzte große Blochziehen war 2014, das letzte Kinder-Blochziehen 2016). Als Bär habe ich die Aufgabe, gemeinsam mit dem Miasmann den nicht gerade leichten, rund 35 Meter langen Zirbenbloch, durch Fiss zu ziehen. Daher liegt mein Hauptaugenmerk auf Fitness- und Krafttraining. Neben Kondition und Grundausdauer sind kräftige Oberarme eine notwendige Voraussetzung für meine „bärige Aufgabe“.

Die größte Herausforderung ist es, die Arme oben zu halten. Wer jetzt schmunzelt, für denjenigen/diejenige habe ich eine Aufgabe: Versucht mal rund eine halbe Stunde mit nach oben gestreckten Armen durch die Gegend zu laufen. Das war kein Problem für euch? Ok … Dann kommt jetzt die „Bären-Challenge“: Macht diese Übung mit einer 10 Kilo Hantel und das für vier bis fünf Stunden – die ausgestreckten Arme nicht vergessen ;-) Willkommen in meiner Blochziehen-Welt. :-)

Um euch an meiner Vorfreude teilhaben zu lassen, gebe ich euch anhand des Fisser Blochziehens 2014 einen Einblick in meine Rolle als Bär.


Mit dem Glockenschlag steigt das Adrenalin

Die Fisser Straßen sind gesäumt mit Menschenmassen – alle sind gekommen um unser Brauchtum zu erleben. Gäste aus nah und fern, zahlreiche Einheimische und auch viel Prominenz aus Wirtschaft und Politik ist vor Ort. Ich musste das Kostüm und die Maske an einen „geheimen“ Ort bringen – keine einfache Herausforderung. Noch schwieriger ist das Anziehen. Alleine ist das gar nicht möglich. Hier brauche ich einige Helfer.

Es ist Punkt 12.30 Uhr. Der Glockenschlag der Fisser Kirche ertönt und mit der Ruhe (zumindest mit der inneren Ruhe) ist es nun endgültig vorbei. Ich spüre richtig, wie das Adrenalin durch meinen ganzen Körper gepumpt wird. Jetzt wird es ernst. Die Schallner und Morelen springen hinter dem Bajatzl durchs Dorf um den großen Umzug anzukündigen.

Dann höre ich wie der Fuhrmann „ZIIIIACHA“ schreit und der Bloch sich in Bewegung setzt. Aus der Nähe, und doch entfernt, höre ich wie der Zug am „Platz“ zum Stehen kommt.


„Miar braucha da Bär“ – das Signal für meinen Einsatz

Der Fuhrmann schreit: „Miar braucha da Bär!“, und da ist es wieder: Das unvergleichbare Kribbeln und obwohl mir unter dem Kostüm zu warm ist, zieht es mir eine Gänsehaut auf. Dieses Gefühl ist nicht beschreibbar, ein Mix aus Freude, Anspannung, Adrenalin und der Hoffnung, dass alles gut gehen wird.

Bärentreiber und Jäger fangen mich und ich wanke in Richtung „Platz“ – natürlich nicht ganz freiwillig – ich wehre mich nach Kräften, bin aber machtlos gegen die Überzahl. An der Deichsel angekommen werde ich dort an der Kette festgemacht und der Fuhrmann ist zufrieden.


Meine kurze Flucht

Von der linken Seite höre ich das leise Kommando: „Geh einen Schritt zurück“. Beim nächsten Schritt nach vorne bin ich wieder frei. Der Schwoaftuifl hat den Moment, in welchem meine Bewacher nicht aufgepasst haben, ausgenutzt und mich freigelassen. Ich verschwinde und verstecke mich in der Menge, bis ich dennoch wieder eingefangen werde. Danach werde ich besser bewacht – eine weitere Flucht ist ausgeschlossen.


Jetzt wird’s richtig „zach“

Jetzt geht’s aufwärts in Richtung Hotel Toalstock. Dort komme ich an meine Grenzen. Mein Herz schlägt im wahrsten Sinne des Wortes im Hals, mein Puls rast – spätestens jetzt würde wohl jede Pulsuhr versagen. Der Miasmann wird gefangen und mit mir vor den Bloch gespannt. Anfangs gibt es noch den ein oder anderen Machtkampf, doch bald merken wir beide, dass es nur gemeinsam geht.


Ein wunderschöner Tag geht zu Ende

So ziehen wir den Bloch bis zum Fonnes im Dorfzentrum von Fiss. Dort versteigert der Bürgermeister von Fiss den Zirbenbloch. Anschließend bringen wir den Bloch gemeinsam zurück zum Kulturhaus. Um Schlag 18.00 Uhr werden die Masken abgelegt und das Blochziehen ist „offiziell“ vorbei. Doch bei der After-Show-Party lassen wir es mit den letzten Kräften nochmals so richtig krachen, bevor alle todmüde ins Bett fallen. Im Bett gehen mir die letzten Gedanken noch einmal durch den Kopf – es war perfekt und ich freue mich schon auf das nächste Blochziehen.

Gute Nacht!


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