Wegweiser zum Wildkräuter-Lehrpfad in Serfaus Fiss Ladis in Tirol | © Serfaus-Fiss-Ladis Marketing GmbH
Blogautorin Andrea Serfaus-Fiss-Ladis | © christianwaldegger.com
Andrea

Kraut & Quer - Eine Wildkräuter-Erkundungstour

16.08.2017 · Genuss, Sommer
Mit Kräuterexpertin Monika Schmid gab es auf dem Wildkräuter-Lehrpfad am Ortsende von Fiss oberhalb des Wolfsees viel interessantes zu entdecken und erfahren.

Grüngetränke, Gänseblümchen und Rammelkraut als natürliche Heilmittel

Grüngetränk statt Energy-Drink. Gänseblümchen statt Antidepressiva. Rammelkraut statt Viagra.

Die Natur bietet uns eine Fülle an Wildkräutern, die nicht nur im Hinblick auf deren Wirkung mit der Pharmaindustrie mithalten können, sondern auch eine für den Körper viel gesundere Alternative zu den Säckchen, Tablettchen, Käpselchen & Co aus der "taberna medicamentaria" darstellen.

Nicht immer ist der Weg in die herkömmliche Apotheke der einzig Richtige. Wenn’s zwickt oder zwackt kann auch einmal ein Spaziergang in unsere heimischen Wälder und Wiesen unternommen werden. In unsere Naturapotheke sozusagen. Dass man sich aber auch ein wenig auskennen muss, um nicht etwa beispielsweise die Wechselwirkung zwischen Johanniskraut und der Antibabypille zu unterschätzen oder gar versehentlich den giftigen Doppelgänger vom Sauerampfer zu pflücken, begab ich mich mit Monika Schmid aus Fiss auf eine spannende und lehrreiche Erkundungstour entlang des Wildkräuter-Lehrpfad. Um 13.00 Uhr ging’s mit einer bunt gemischten Gruppe vom Infobüro Fiss auf über 1.400 Metern Seehöhe los.


Der Start am "Hebariustor"

Nach einem kurzen Spaziergang durch das Dorf Fiss befanden wir uns inmitten satt grüner Wiesen. Den ersten Halt machten wir vor einer „Eingangstür“ mitten im Grünen – dem „Hebariustor“. Diese Tür, durch die wir wenig später durchmarschierten, markiert den Einstieg in den Wildkräuter-Lehrpfad. Eine schöne Idee, wie ich finde. Der Letzte der Gruppe musste die Tür natürlich auch wieder schließen. 


„Alle Wiesen und Matten, alle Berge und Hügel sind Apotheken“
(Paracelsus, 1493 – 1541)


Mit voller Begeisterung startete Monika mit uns die Entdeckungstour und betonte immer wieder, dass die Kräuter wild gewachsen und nicht von ihr gepflanzt worden sind. Wild wachsende Kräuter sind widerstandsfähiger als gepflanzte Kräuter, werden also in den Wiesen und Wälder rund um Serfaus-Fiss-Ladis nicht so schnell verschwinden. Die zahlreichen Schildchen bei den Kräutern sind mit ein paar kurzen Informationen bedruckt. Zur Hilfe sind auch alle Schilder mit Fotos versehen, damit die Biokräuter leichter erkennbar sind.


Wildkräuter und ihre Wirkungen

Kulturpflanzen, so betonte Monika, verfügen über eine verminderte Wirkung im Vergleich zu naturbelassenen Wildkräutern. Zudem kann der Körper Wildkräuter viel besser aufnehmen. Besonders um das eigene Haus wächst so manches Kraut, dessen heilende Wirkung wir für unser Wohlbefinden nutzen können. Die Begeisterung für die Heilkräuterkunde steckte an und weckte in mir den Drang, zu erkunden, was in meiner Bioapotheke um’s Haus denn so alles Heilsames zu finden ist.

Wildkräuter wirken ganzheitlich – für Körper, Geist und Seele. Wer von uns würde nicht gerne ein Kraut probieren, durch das wir zur Frohnatur mutieren, ausgeglichener und ruhiger werden, unser Herz und Immunsystem gestärkt wird oder unsere Kopfverschmerzen ohne Einnahme von Aspirin verschwinden?

Natürlich gibt es nicht EIN Wildkraut, das bei allen Anliegen hilft. Die Natur bietet ein MEER an Wildkräutern, ein Wildkräutermeer sozusagen, von dem unser Körper im wahrsten Sinne des Wortes MEHR hat als von den chemisch synthetisierten Mitteln aus unserer leider viel zu vertrauten Apotheke.


Du bist was du isst!

Monika erwähnte zudem, dass auch Wildkräuter, so wie natürlich auch der Rest unseres Universums, aus messbaren Schwingungen bestehen. Dass unsere Nahrung somit einen deutlichen Einfluss auf unseren Körper und Geist haben muss, wird plötzlich klar. Die Wirkung von Nahrung auf Körper und Geist muss rein rational unterschiedlich ausfallen, sonst wäre es ja auf gut Deutsch nämlich „wurscht“, was man isst. Aber so ist es nicht. Unsere Nahrung beeinflusst uns. Wenn auch auf eine subtile Art.

Die Kräuterwanderung führte durch die Wiesen von Fiss. Zahlreiche Schilder sind aufgestellt, an denen die Gruppe immer wieder eine Rast einlegte und Interessantes über die Heilwirkung von unseren regionalen Wildkräutern erfuhr. Auch ein sogenanntes Meditationsplätzchen, das zum Verweilen & Innehalten einlädt, ist inmitten von roten Holunderstauden zu finden. Auf zirkular angeordneten Baumstümpfen mit dekorativen Lehnen legten wir eine wohlverdiente Rast ein. Der Ort hat definitiv etwas Magisches an sich.

Acker-Kratzdistel, Arznei-Baldrian, Augentrost, Beifuß, Birke, Blutwurz, Brennnessel, Frauenmantel, Gänseblümchen, Goldrute, Hagebutte, Himbeere, Hirten, Hirtentäschel, Huflattich, Johanniskraut, Labkraut, Löwenzahn, Mädesüß, Roter Holunder, Rotklee, Sauerampfer, Schafgarbe, Spitzwegerich, Wacholder, Wiesenbärenklau, Wiesen-Salbei, Quendel, Zinnkraut,...

Die Liste der Kräuter ist lang. Ein praktisches Begleitbüchlein hilft dem Gedächtnis aber auf die Sprünge. Also keine Sorge, alles muss man sich nicht merken können.

Neben den verschiedenen Wirkungen der unbehandelten Kräuter erzählte uns Monika auch noch Wissenswertes über die ideale Sammelzeit und leckere bzw. wirksame Verarbeitungsmöglichkeiten. Das Spektrum der Verwendungsmöglichkeiten ist breit: Suppen, Pesto, Tinkturen, Salben, Öle, Essige, Umschläge, Teemischungen, Kräutersalze, Badeeinsätze,...


Unsere Erkundungstour endete bei einem alten Heustadl. Monika öffnete die Stadltür. Ein mit viel Liebe hergerichteter Raum mit Holztisch und -stühlen, gedeckt mit einem schweren bauchigen Wasserkrug, gefüllt mit Fisser Wiesenkräutern, kleinen bunten Gläschen, frisch gebackenem Brot aus dem alten Holzofen im s’Paules und s’Seppls Haus und Topfen erwartete uns.


Die zuvor gesammelten Wildkräuter wurden nun in einer Schüssel mit dem Topfen vermischt und mit dem frischen Brot verköstigt. Dazu tranken wir das frische Kräuterwasser, welches von Monika vorbereitet wurde. Ein kulinarischer Abschluss, den man nicht so schnell vergisst.

Im Sommer bietet Monika wöchentlich eine geführte Wanderung entlang des Wildkräuter-Lehrpfad in Fiss an. Nähere Informationen gibt es in unserem Wochenprogramm oder in den Infosbüros des Tourismusverbandes Serfaus-Fiss-Ladis.


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